Feuerzangenbowlefahrt 2018
Eine RRC-Tradition lebt auf

Seit 1897 machen Rostocker Ruderer „Vergnügungsfahrten“ zum Schnatermann. Daraus hatte sich bald eine Tradition entwickelt: die Feuerzangenbowlenfahrt als Saisonabschluss Ende Oktober; bis zur über 50jährigen Pause während des 2. Weltkriegs und den Jahren danach. Seit 1992 gibt es sie wieder! Unser RRC ist für seine Feuerzangenbowlenfahrten, nun Ende September, bekannt. Rudern, verbunden mit Geselligkeit, Essen und Trinken hat bei uns eine lange Tradition!
Legenden berichten, wie Bockwürste an eine Schnur gebunden und nach und nach im obligatorischen Erbseneintopf heiß gemacht wurden. Alte Ruderfreunde erinnern sich, wie nach dem Mittagsmahl (und Abwasch) alle mitgebrachten Alkoholitäten im selben Topf zusammenkamen, der von der munteren Männerrudererrunde erneut geleert wurde. (Frauen waren in den ersten Jahren aus Gründen der Pietät von solch „harten Unternehmen“ ausgeschlossen.) Mitunter musste dann der eine oder andere Ruderkamerad mit Pferd und Wagen vom Schnatermann abgeholt werden, weil er für die Heimfahrt nicht mehr ruderfähig war. Das ist lange her; auch die Geschichten von Siggi Hoppe. Wetter und Wind zwangen oft zum Ausweichen auf die Oberwarnow. Dann hieß das Ziel Pölchow, Räubernest oder Papendorf – so 1993, 1994, 2003 und 2004. 2011 führte die Feuerzangenbowlenfahrt nach Papendorf an der Oberwarnow. Dieses Fahrtenziel wurde gewählt, weil die Mühlendammschleuse für 2-3 Jahre geschlossen werden sollte. Inzwischen sind – wie bekannt – verschiedene Lösungen in der Diskussion.
In diesem Jahr sollte es also ganz traditionell auf der Unterwarnow über den Breitling zum Schnatermann gehen. Ruderer aus Bergen, Anklam, der HSG und unserem RRC kamen am 29. September um 9 Uhr ins Bootshaus. Heike begrüßte alle, legte Mannschaften und Route fest. Wir wurden ermahnt, alle Sicherheits- und Verkehrsvorschriften zu beachten und auch einzuhalten: „Nicht in der Fahrrinne rudern, Fähranleger und Wendeplatte weiträumig umfahren“ usw. usf. Wegen des starken Westwindes sollten wir in Höhe Oldendorf einen Stopp einlegen und auf das Motorboot mit Heike warten.
Also bestiegen alle aktiven Ruderfreunde die Boote: den Doppelachter „Nibelungen“, die beiden Vierer „Neptun“ und „Breitling“, den gesteuerten Dreier „Schwaan“ und den C-Zweier „Anker“. Wer mitgezählt hat: 26 Teilnehmer. Dazu kommen die fünf unter Kapitän Wolfgang Behrendt im Motorboot mitfahrenden Sportfreunde: Fotografen, Rekonvaleszenten und Angehörige. Im Windschatten auf der Westseite der Warnow erreichten wir die Feuerwache Groß Klein gegenüber vom Scandlines Fähranleger am Fährhafen. Ich freute mich schon auf eine flotte Segeltour mit starkem Rückenwind über den Breitling auf den Strand am Schnatermann zu! Doch Heike gab das (einzig vernünftige) Kommando zur Umkehr zum IGA-Parkgelände. Ich fürchte, einige wären sonst wohl abgesoffen!
Am Strand des IGA Parks machten wir unsere Boote fest, luden das Motorboot aus. In nun schon langer Tradition setzte Gerd den 35 Liter – Erbseneintopf mit Kasslerfleisch aufs Propangasfeuer. Bei aller Liebe: Wir schafften es nicht; trotz der alten Trainingsweisheit „Wenn man nicht mehr kann, beginnt die Leistung!“ Umso schneller dagegen war die Feuerzangenbowle erledigt. Nur hatte es erst mit dem Zünden am Zuckerhut Probleme gegeben. Glücklicherweise lies am Nachmittag der Sturm nach und wir konnten locker heimwärts rudern, die Boote und das Material klar machen.
Im Boothaus stellte es sich dann als ein Glück heraus, dass wir Frauen – namentlich aus Bergen – dabei hatten, die Heike beim Kaffeekochen, Tischdecken küchenmäßig halfen. RRC-Männer dagegen beachten die alte Mannesregel: „Nicht im Wege stehen ist auch eine Hilfe!“ Ein besonderes Dankeschön geht an die Frauen aus Bergen, Frau Drahotta, Käptn Wolfgang und an Heike mit ihrem Gerd. Es hat alles prima geklappt; eine gelungene Feuerzangenbowlenfahrt!
Nach der fröhlichen Kaffeerunde mussten wir noch Abschied nehmen: Tim Jakobs geht zum Masterstudium nach Stendal. Mit einem Geschenk und vielen guten Worten verabschiedeten wir uns von unserem guten, treuen Ruderfreund, mit dem wir schon so viele Tassen Kaffee gemeinsam geleert, Zigaretten geraucht und Kilometer gerudert sind. Vielleicht muss er in Zukunft nicht mehr über 20 km zum Rudertraining mit dem Rad hin und zurück fahren?! Dass wir uns in guter Erinnerung behalten, wünschen wir ihm und uns sehr!

Bericht und Fotos: Hans Druckrey